SO LEBEN WIR
AFRIKA: Das Leben auf dem Spiel
Seit Jahren gibt es in Westafrika brutale Auseinandersetzungen zwischen muslimischen und christlichen Volksgruppen. Eigentlich stecken handfeste politische und wirtschaftliche Gründe dahinter, doch – in vielen Fällen - wird die andersartige ethnische Gruppe oder die andere Religion zum Feind erklärt. Zuletzt haben Extremisten im Norden des Landes, der hauptsächlich von Muslimen bewohnt ist, Kirchen angezündet und Menschen umgebracht. Als die Leichen in eine Stadt im Süden, die überwiegend von Christen bewohnt wird, gebracht wurden, brach eine wahre Menschenjagd los, die Hunderten das Leben kostete. Die Muslime fanden nur noch Schutz in einer Polizeikaserne.
Emeka, ein 15-jähriger T4U vermisste in diesen Tagen Malam, einen 22-jährigen Händler, der sonst immer vor seinem Haus stand. Als er seine Mutter nach ihm fragte, antwortete sie: „Er ist im Haus versteckt.“ Es ist für Christen ein großes Risiko, Muslime zu beschützen. Sicherer wäre es, ihn in die nicht weit entfernte Polizeikaserne zu bringen.Doch es war schon spät und die Ausgangssperre verhängt. An den Straßenposten, die von Rebellen besetzt waren, hätte man Malam sofort an seinem typisch muslimischen Kaftan erkannt. „Jesus lebt auch in Malam,“ denkt Emeka. Mutig beschließt er, ihm seine Kleider zu geben und - weil er keine anderen hat - die Kleider des Freundes anzuziehen. Sollte sie jemand anhalten, durfte Malam auf keinen Fall sprechen, denn er hätte sich durch seinen Akzent verraten. Am ersten Posten schon fällt Emeka auf. Er wird angehalten und mit einem Messer am Hals gezwungen, in der Landessprache Igbo zu singen. Das fällt ihm nicht schwer, da es seine Muttersprache ist, und so dürfen sie weiter. Dasselbe Spiel am zweiten Posten. Am dritten Posten merken die Rebellen, dass etwas nicht stimmt. Da geben sich Emeka und Malam ein Zeichen und rennen los. Die Kaserne lag auf der anderen Seite der Straße, die ausnahmsweise nicht befahren war. So können sie ihre Verfolger abhängen und sicher drüben bei der Polizei ankommen.
Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt. Malam betreibt wieder seinen Stand vor dem Haus von Emeka, der in der Zwischenzeit auf sein Geld aufgepasst hatte. Sie sind wie Brüder. Wenn die Familie von Emeka nicht da ist, gibt sie Malam sogar die Hausschlüssel.